Taillenweite der mageren Models

Zu mager? Kein Defilee

Paris – Je mehr Jahre vergehen, je mehr man darüber spricht und trotz der guten Vorsätze,  Sensibilisierungskampagnien und gutem Zureden vieler Designer, war die extreme Magerkeit vieler Mannequins , ausser der Schönheit der Kleider, das Hauptthema während der Modewochen.

Aber jetzt sagt Frankreich Schluss damit.

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Der sozialistische, französische  Abgeordnete Olivier Veran, will  diesem „legalisierten Selbstmord“ nicht weiter zusehen und hat, unterstützt durch den Gesundheitsminister, die Initiative ergriffen und will ein Gesetz gegen die Magersucht durchsetzen. Ab jetzt bestimmt der BMI (Body Mass Index, ein Index der Körpermasse), der das Verhältnis der Körpergrösse zum Gewicht regelt, ob ein Model  an der Modenschau teilnehmen kann oder nicht. Der BMI eines jeden Mädchens muss auf einem, vom spezialisierten Arzt bestätigten, Zertifikat vermerkt sein, wenn der Index unter 18 (entsprechend einer Frau von 1,75 m und 55 Kilo) liegt, wird dem Model die Präsentation untersagt. Darüberhinaus wird, bei Nichtbeachtung des Gesetzes, eine Strafe von 75 Tausend Euro und eine bis zu 6 Monaten dauerende Haftstrafe verhängt.

Ausser dem „Defileeverbot“ trifft das Gesetz auch die Webseiten, die zur Anorexie „auffordern“: ein im Internet weit verbreitetes, ständig wachsendes Phänomen.  Die Seiten mit den Namen „pro-ana“ und „pro-mia“ (Bezeichnung für Anorexie und Bulimie) geben „Ratschläge“, wie man noch magerer werden kann (das „perfekte“ Gewicht, entsprechend einiger Quellen, liegt bei 35 Kilo Körpergewicht).

Selbstverständlich ist „Synam“ die nationale Gewerkschaft der Modelagenturen, die circa 40 Model vertritt, nicht einverstanden. << Man kann ein solches Gesetz nicht verabschieden, dass sich nur auf Frankreich bezieht – liest man in der Pressemitteilung. Wir sind in einem ständigen Konkurrenzkampf mit anderen, internationalen Agenturen. Es fehlt eine europäische Norm.>>

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In einem Radiointerview von Rete Uno sagte der bekannte Modefotograf Franco Taranto, der auch Inhaber der Modelagentur New Faces Model Agency und das Topmodel Greta Varlese entdeckt hat:

<<Dieses  ist  ein  sehr  empfindliches Argument und ich halte es für richtig, dass nur die Ärzte die entscheidende  Hilfestellung bei der  Problemlösung geben können. In der Tat befinden wir uns in einer Epoche der extremen Magerkeit und es muss absolut etwas geschehen. Aber ich kann nicht sagen, dass die französische Initiative, auch wenn sie verständlich ist, der richtige Weg ist, dem Problem zu begegnen. Dieses strikte Verbot, sagt der Fotograf weiter, kann weitere gefährliche Alternativen nach sich ziehen, die das Problem verschieben, wenn es nicht an den Ursprüngen gelöst wird. Wahrscheinlich wäre ein ernster Dialog zwischen den Parteien der richtige Weg, um das Problem vollständig zu verstehen und eine ausgewogenere Lösung zu finden.>>

In der Zwischenzeit, aus Mangel an einer einheitlichen, gesetzlichen Regelung, arrangiert sich der Alte Kontinent so gut er kann.

Fashion Editor: Cristina Mutterle
Ubersetzung von Lingue & Piu, www.lingueepiu.ch

Photo Credits: nanopress.it